Herzlichen Glückwunsch zu nichts!

Als ich vor kurzem gemeinsam mit einem Arbeitskollegen einer anderen Arbeitskollegin zum Geburtstag gratulierte, kam mir unvermittelt der Gedanke, dass das ganze Ritual des Gratulieres zum Geburstag ziemlich sinnlos ist. Natürlich ist es eine Frage der Freundlichkeit und des Anstandes, dass man einem bekannten Menschen zu diesem Freudentag seine Aufwartung macht. Aber was genau feiern wir an diesem Tag eigentlich?

Feiern wir, dass es unsere Eltern vor einem gewissen Zeitraum geschafft haben, Sex miteinander zu haben und dabei auch noch ein Kind zu zeugen? Natürlich ist das grundsätzlich eine durch und durch angenehme Sache, aber doch auch ein völlig normaler Vorgang, den die Evolution wohl auch genau so für uns vorgesehen hat. Es gratuliert einem ja auch niemand dazu, dass man es abends geschafft hat, den Weg nach Hause zu finden.

Oder feiern wir, dass wir ein Jahr älter geworden sind? Das ist als Kind oder Jugendlicher ja noch ganz schön, schließlich darf man durch diesen Umstand irgendwann ungestraft Alkohol erwerben und konsumieren, sich so lange unbeaufsichtigt außerhalb des Elternhauses aufhalten wie man lustig ist und den Führerschein machen. Ab einem gewissen Alter aber gibt diese Tatsache den wenigstens Menschen noch einen Anlass zu überschwänglicher Freude.

Hat man eine schwere Prüfung bestanden, die lang ersehnte Beförderung erkämpft oder sein erstes Buch geschrieben kann ich Glückwünsche ja sehr gut verstehen. Man hat etwas geschafft, einen Sieg errungen, eine Leistung erbracht, für die harte Arbeit nötig war. Trotzdem bleiben Glückwünsche gerade in solchen Fällen dann häufig aus. Wird man aber ein Jahr älter, tauchen an jeder Ecke irgendwelche Leute auf, von denen man schon ewig nichts mehr gehört hat, die einem aber versichern, dass sie sich ganz schrecklich freuen, dass man nach dem vergangenen Jahr immernoch da ist und sich unbedingt wünschen, dass das auch noch ganz lange so bleibt.

Dabei braucht man für das Älterwerden gar nichts zu tun. Ich könnte mich einfach ein Jahr auf meine Couch setzen und abwarten. Nach einem Jahr würden alle Leute kommen und mir dazu gratulieren, dass ich ein Jahr abgewartet habe und jetzt ein Jahr älter bin. Nahe Verwandte und Freunde schenken mir vielleicht sogar etwas dafür. Ich will ja nicht bestreiten, dass das bestimmt eine nette Sache ist und man sich auch über die Aufmerksamkeit und die Geschenke freut, aber die Moral der Geschichte erschließt sich mir einfach nicht.

Vielleicht sollte ich an meinem nächsten Geburtstag einfach mal jeden Gratulanten nach seinen tieferen Beweggründen befragen. Das wird sicher lustig. Und wie verbringt ihr euren Geburtstag so?

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